Tabaksucht und Charakterzüge

Wissenschaftler haben versucht, herauszufinden, welcheCharakterzüge mit der Tabaksucht zusammenhängen, umeinerseits die Präventionskampagnen besser anzupassen undandererseits wirksamere Entzugshilfen anzubieten, indem man diePersönlichkeit des Rauchers berücksichtigt. Haben Sie sichschon gefragt, ob es einen Zusammenhang zwischen Ihrem Charakter undder Tabaksucht gibt?

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Testen Sie Ihre Persönlichkeit

Ziehen Sie Bilanz über Ihr Temperament, indem Sie einenFragebogen zur Persönlichkeit beantworten. Sie werden Scores zuden Charaktereigenschaften erhalten - Suche nach Neuem, Tendenz,Gefahren zu vermeiden, Suche nach Belohnung, Durchhaltewillen,Entschlossenheit und Zusammenarbeit  - , die Sie anschliessend mitdenjenigen der anderen Teilnehmer vergleichen können.

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Die Persönlichkeit und Ihre verschiedenen Definitionen

Man kann die Persönlichkeit als eine Mischung verschiedensterElemente definieren - psychologische, mentale und Verhaltenselemente,morphologische und physiologische Elemente - die das Individuumspezifisch und mehr oder weniger konstant über die Zeit ausmachen.Anders gesagt, was eine Person originell und verschieden macht,physisch, psychisch, intelektuell oder moralisch.

Seit Anfang des 20. Jahrhunderts interessierten sich gewissePsychologen und Wissenschaftler für die Persönlichkeit, indemsie annahmen, dass die Haltungen und das Verhalten eines Individuumssich in einigen konstanten "Dimensionen" definieren lassen. Die gesamteEinzigartigkeit eines Individuums kann so nicht erfasst werden, aberman kann empirisch beobachten, dass alle Personen sich nach grossenpsychologischen Kategorien definieren lassen, die auchCharakterzüge genannt werden und weltweit mit unterschiedlicherIntensität geteilt werden. Eine Person kann zum Beispiel mehr oderweniger scheu sein oder mehr oder weniger impulsiv.

Es gibt verschiedene Persönlichkeitsmodelle, die nicht alle diegenaugleichen Charakterzüge widerspiegeln. Wichtige Konzepte wiedie Introvertiertheit und die Extravertiertheit tauchen allerdingshäufig auf. Hier 3 Persönlichkeitsmodelle, die oft in derFachliteratur diskutiert werden:

  1. Modell der « Big Five » von Costa und McCrae (1992):Oft in der Wissenschaft der letzten 20 Jahre benutzt, gibt es in diesemModell 5 Hauptdimensionen der Persönlichkeit, d.h. die Neurose(oder die Tendenz der Individuen, psychologisch zu leiden), dieExtraversion (oder die Gesellschaftsfähigkeit und die aktiveNatur), die Oeffnung (oder die Tendenz zur Neugier), das Gewissen (oderder Kontroll- und Entschlossenheitsgrad einer Person), und dasAngenehm-Sein (oder die Tendenz, mit Mitmenschen sympatisch zu sein).

    bigfive
  2. Modell von Eysenck (1991): Dieses Modell ist interessant, da essich auf biologische Charakteristiken bezieht, die genetisch vorgegebensind und somit vererbbar sind, und geht anfangs von 2Persönlichkeitsdimensionen aus: DieExtravertiertheit/Introvertiertheit und die Neurose in Bezug auf dieemotionale Stabilität. Eine dritte Dimension in Bezug auf dasAggresivitätsniveau und das psychische Leiden, die Psychose, wurdeim Nachhinein hinzugefügt, um bei der Forschung angefallene Fragenzu beantworten.

    eysenck
  3. Modell von Cloninger (1987): Wie das Modell von Eysenck beziehtsich dieses Modell auf biologische Theorien. Es beinhaltet 4Dimensionen der Persönlichkeit, die tatsächlich vererbbareCharakteristika sind: Die Suche nach Neuem (novelty seeking, NS), die Tendenz, Gefahr zu meiden (harm avoidance, HA), die Suche nach Belohnung (reward dependence, RD) und der Durchhaltewillen / die Entschlossenheit (persistence, P).Dennoch ist der Zusammenhang zwischen diesenPersönlichkeitsmerkmalen und den 3 grossenNeurotransmittersystemen nicht einwandfrei bewiesen.

    cloninger

Persönlichkeitsmerkmale und Tabaksucht: Aktueller Stand der Forschung

Seit mehreren Jahrzehnten werden Studien durchgeführt, um dieverschiedenen Zusammenhänge zwischen der Tabaksucht und derPersönlichkeit aufzudecken. So haben sich zum Beispiel gewisseWissenschaftler gefragt, ob es möglich ist, gewisse den Raucherngemeinsame Charakterzüge festzustellen oder ob gewissePersönlichkeitsmerkmale den Rauchstopperfolg oder die Stärkeder Mangelerscheinungen beim Entzug vorhersagen könnten.

Die Resultate sind sehr unterschiedlich und hängen genauso vomPersönlichkeitsmodell wie der angewendeten Methodik ab. Hiertrotzdem eine Zusammenfassung der wichtigsten Resultate in diesemForschungsfeld:

  • Eine Analyse von 25 Studien zeigte auf, dass es einensignifikanten Unterschied zwischen Rauchern und Nichtrauchern im Bezugauf die Persönlichkeitdimensionen nach dem Modell von Eysenckgibt, und dies in Bezug auf das Extravertiert-Sein und die Tendenz zurNeurose. Starkes Extravertiert-Sein und eine Tendenz zur Neurose seienhäufiger bei Rauchern als bei Nichtrauchern (Munafò et al.,2007). Die Autoren machen darauf aufmerksam, dass diese Resultateverschieden interpretiert werden können. Das starkeExtravertiert-Sein der Raucher kann genausogut von ihrem Bedürfnisnach sozialen Kontakten (nach dem der Tabaksucht) wie von der durch denTabak verursachten dopaminergen Aktivtierung kommen, einerVeränderung der Chemie im Gehirn, die durch den Tabakausgelöst wird und eine neurobiologische Erklärung desExtravertiert-Seins ist. Gleiches gilt für die starke Tendenz zurNeurose, die durch das starke Bedürfnis des Rauchers, seineGefühle und negativen Affekte zu kontrollieren oder durch dieserotoninerge Inhibition des Tabaks erklärt werden kann. Andersgesagt ist die Verbindung zwischen diesen Charakterzügen und derTabaksucht erwiesen, welches der beiden der Grund ist, aber nicht: Sindes Merkmale der Persönlichkeit, die zum Rauchen führen, oderverändert das Rauchen die Persönlichkeit? Wie auch immer,indem man diese Eigentümlichkeiten erkennt, erkennt man, dass dieRauchstoppchancen erhöht werden können, wenn manpsychologisch, emotionell und sozial unterstützt wird!
  • Eine Korrelationsstudie zur Tabaksucht und denCharakterzügen gemäss dem « Big Five » Modell hateinen Zusammenhang zwischen einer starken Offenheit und der Motivationzum Rauchstopp oder Rauchstoppversuch gefunden: Je mehr eine Persondazu neigt, intellektuell neugierig zu sein, erfinderisch oder kreativ,desto mehr würde sie dazu neigen, den Rauchstopp zu versuchen(Shadel et al., 2004).
  • Eine longitudinale Studie - ein Fragebogen zurPersönlichkeit (MPQ) im Alter von 18 und 26 Jahren parallel zueiner Evaluierung der Tabaksucht im Alter von 18, 26 und 32 Jahren -hat gewisse Zusammenhänge zwischen der Persönlichkeit und demTabakverhalten aufgezeigt (Welch, 2009). So korrelierte ein hoherEntfremdungsgrad stark mit einer andauernden Tabaksucht und die Autorenschlugen folglich vor, dass dieser Charakterzug bei der Hilfe beimTabakentzug in Betracht gezogen werden sollte. Achtung! Was in diesemTest Entfremdung genannt wird, sollte nicht im herkömmlichen Sinnverstanden werden. Es handelt sich um eine Haltung in Bezug auf dasMisstrauen; Personen mit einem hohen Score sagen von sich, eher Opfervon Gerüchten oder boshaften Taten Anderer zu sein, von Freundenenttäuscht oder verraten zu werden oder im Allgemeinen vielUnglück zu haben.
  • Eine longitudinale Studie hat sich im Speziellen mit denvererbbaren Charakterzügen nach dem Modell von  Cloningerbefasst: Diese über 14 Jahre mit 1'849 Personen durchgeführteStudie bringt das Verhalten der Eltern mit den Scores derPersönlichkeitsdimensionen der Kinder in Zusammenhang, vor allemin Bezug auf den starken Drang nach Neuem der Kinder und dieHäufigkeit des Alkohol- oder Tabakkonsums der Eltern (Ravaja etal., 2001).
  • In den Jahren 2003 und  2010 hat der Verantwortliche vonStop-tabac.ch zwei Studien zu den Zusammenhängen zwischen denCharakterzügen nach dem Modell von Cloninger und der Tabaksuchtdurchgeführt (Etter et al., 2003; Etter, 2010). In der erstenStudie im Jahr 2003 zeigten die Resultate, dass der Charakterzug derSuche nach Neuem (novelty seeking, NS) und vor allem dieExtravaganz, einem der Suche nach Neuem untergeordneten Charakterzug,mit dem Rauchen im Verbindung gebraucht werden konnten. Die zweiteStudie im Jahr 2010 hat ebenfalls gezeigt, dass Raucher in Fragenrund um die Suche nach Neuem einen höheren Score alsNichtraucher haben, aber auch in Fragen, die sich auf das Vermeiden vonGefahren beziehen (harm avoidance, HA): Raucher seinenängstlicher und würden im Tabak angstlösende oderantidepressive Wirkungen suchen. Im Gegensatz dazu hätten Rauchereinen tieferen Score im Bezug auf Selbstbestimmung. Zusammenfassendhaben Raucher einen höheren Score in Bezug auf die Suche nachNeuem und das Vermeiden von Gefahren, werden also als Personenbeschrieben, die manchmal impulsiv, erkundend, reizbar, extravagant,unordentlich, vorsichtig, ängstlich, angespannt, gehemmt undbeunruhigt sind.

Zusammenfassung

Es ist nicht möglich, die Komplexität des Individuums aufeinige grosse Dimensionen der Persönlichkeit zu reduzieren, auchwenn sie noch so kohärent sind. Nein, das Ziel dieser Studien istes, ganz allgemein einige Stärken und Schwächen in Bezug aufden Charakter zu identifizien, die am meisten von Rauchern erlebtwerden, um danach die Hilfe beim Tabakentzug und der Prävention sowirkungsvoll wie möglich zu gestalten. Indem man statistischanalysiert, was die Raucher am besten charakterisiert, findet man auchheraus, was sie am meisten bräuchten, um mit Rauchenaufzuhören oder nicht damit anzufangen.

Bibliographie


Autor: Grégoire Monney

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