Tabak und Sexualität

Artikel von Dr. Christian Rollini, Klinikchef der "Consultation de Gynécologie Psychosomatique et de Sexologie" (Beratung in psychosomatischer Gynäkologie und Sexologie), Hôpitaux universitaires de Genève (HUG)

Allgemeines

Die sexuelle Erregung erfordert eine gute Durchblutung. Der Tabak wirkt sich aber durch die Gefässschäden negativ darauf aus. Die meisten vorhandenen Studien zeigen eine negative Wirkung auf die Erregungsphase, d.h. die Erektion und das Gleiten. Vor allem dadurch wirkt sich der Tabak mittelfristig schädlich auf die Sexualität aus. Man weiss jetzt jedoch, dass viele im Rauch enthaltenen Substanzen auch eine unmittelbarere Wirkung haben können, wie eine signifikante Reduktion der Erektionsfähigkeit, auch nach nur einer einzigen Zigarette.
Ausserdem hat die Tabaksucht auch einen negativen Einfluss auf die Fruchtbarkeit, begünstigt gewisse sexuelle Krankheiten und kann zu einer frühzeitigen Menopause führen.

Wirkungen der Tabaksucht auf die Sexualität

Der Zusammenhang zwischen dem langfristigen Tabakkonsum und den Erregungsstörungen (Erektion, Gleiten) ist bekannt und belegt (1,2,3). Und obwohl die sexuellen Störungen viele Ursachen haben können, kann und muss der Tabak als ein eigenständiger Risikofaktor betrachtet werden, zumindest, was das Auftreten einer Erregungsstörung angeht. Tatsächlich ist die Tabaksucht ein anerkannter kardiovaskulärer Risikofaktor (4,5). Da den Erektionsstörungen als Hauptgrund vaskuläre Beschwerden zugrunde liegen, haben der Tabak und das Nikotin durch ihren schädlichen Effekt auf die Durchblutung einen äussest negativen Effekt auf die Sexualität eines Rauchers. Diese Gemeinsamkeit zwischen den Erektionsstörungen und den kardiovaskulären Krankheiten, sowie die oft früher auftretenden Anzeichen der Beeinträchtigung der Penisarterien im Vergleich zu den Koronararterien liegt dem « Warnsymptom-Konzept » zugrunde. Dies vor allem, weil die Erektionsstörung ein Vorbote weitreichender kardiovaskulärer Krankheiten sein könnte. Die Erektionsstörung kann auch einige Jahre vor den ersten Anzeichen einer Herzerkrankung auftreten. Der schädliche Effekt der Tabakabhängigkeit auf die Intaktheit der Blutgefässe scheint von der Dosis und der Dauer des Konsums abzuhängen. Gewisse Studien (6) beschreiben eine Zunahme von bis zu 40% Erektionsstörungen bei regelmässigen Rauchern.

Physiologie

Die Blutgefässe, die den Penis mit Blut versorgen, erlauben eine Erektion durch eine Blutansammlung in den Schwammgeweben. Wenn diese Arterien sich verstopfen, werden die Gewebe nicht mehr optimal durchblutet und Funktionsstörungen können auftreten. Ein Verlust von 25% der Blutzufuhr beeinflusst schon die Erektionsqualität, während es für die Koronararterien meist mehr als 50% Verlust benötigt, damit die Koronarkrankheit sich klinisch manifestiert, z.B. durch eine Angina pectoris. So anerkennt die Fachliteratur derzeit die Erektionsstörung unabhängig vom Alter der Person als Erkennungszeichen für eine latente kardiovaskuläre Schädigung. Uebrigens wirken die meistverwendeten Medikamente zur Behandlung der Erektionsstörung, und zwar die Phosphodiesterase 5 Inhibitoren (Viagra®, Cialis®, Levitra®) in einer Art und Weise, die eine bessere Blutzufuhr erlaubt. Dies verdeutlicht die Bedeutung einer guten Durchblutung als ausschlaggebenden Faktor einer angemessenen sexuellen Erregung. Bei Frauen kann die Gefässschädigung die Erregung beeinträchtigen und z.B. zu einer trockenen Vagina führen.

Eine einzige punktuelle Nikotineinnahme kann die Erektion beeinflussen

Unter den zahllosen aktiven Inhaltsstoffen des Tabaks sind unter anderem Nikotin, Kohlenmonoxid und gewisse freie Radikale für eine schneller eintreffende Gefässverengung verantwortlich, wie gewisse aktuelle Studien gezeit haben (7). 
Ein punktueller Konsum kann also eine signifikante Abnahme der Erektion nach sich ziehen, z.B. in der Grössenordnung von mehr als 20% weniger als beim Nichtraucher!

Der Tabak, ein Risikofaktor

Das häufige Vorkommen von Raucherpatienten unter den Patienten mit einer Erektionsstörung, welches signifikant höher ist als in der Gesamtbevölkerung (40% gegen 28%), spricht deutlich für einen klaren Zusammenhang zwischen dem Tabak und den Erektionsstörungen. Epidemiologische Studien legen nahe, dass Raucher ein 2-mal höheres Erektionsstörungsrisiko eingehen könnten als Nichtraucher. Dieses wird durch zusätzliche Risikofaktoren wie z.B. Diabetes natürlich noch erhöht.

Der Tabak ist schädlich für die Sexualität

Wie wir gesehen haben, zeigen die meisten Studien eine Störung der sexuellen Erregungsphase beim Mann und der Frau. Der negative Effekt des Tabaks beschränkt sich jedoch nicht auf die Beschwerden im Zusammenhang mit der Erregung und der Erektion. Dieser negative Effekt zeigt sich auch bei der Fruchtbarkeit, die bei Rauchern und Raucherinnen geringer sein und wohlbekannte obstetrische Komplikationen nach sich ziehen kann. Ausserdem hat der Tabak einen anti-östrogenen Effekt, der eine um mehrere Jahre frühere Menopause bewirkt (10). Schliesslich können verschiedene Krankheiten wie sexuelle Infektionen (11) oder die Peyronie-Krankheit (eine Penisverkrümmung) durch den Tabak begünstigt oder verschlimmert werden.

Schlussfolgerung

Eine klare medizinische Empfehlung zum Tabakstopp kann folglich gegeben werden, wenn man den negativen Einfluss des Tabakkonsums auf die Sexualität betrachtet. Dies kann wichtig sein, um die Raucher zum Rauchstopp zu motivieren und ein Sexual- und Gefühlsleben mit Qualität wiederzuerlangen. Es ist ausserdem anzufügen dass sexuelle Störungen, obwohl sie im Allgemeinen nicht lebensgefährlich sind, häufiger sind als angenommen, einen wichtigen Einfluss auf die Gesamtgesundheit einer Person haben und angemessen medikamentös behandelt werden müssen.

Link: www.swissexology.ch

Bibliographie

1. Condra M, Morales A, Owen JA, Surridge DH, Fenemore J. Prevalence and significance of tobacco smoking in impotence. Urology 1986;27:495-8 
2. Juenemann KP, Lue TF, Luo JA, Benowitz NL, Abozeid M, Tanagho EA. The effect of cigarette smoking on penile erection. J Urol 1987; 138:438-41.
3. Shabsigh R, Fishman IJ, Schum C, Dunn JK. Cigarette smoking and other vascular risk factors in vasculogenic impotence. Urology 1991;38:227-31. 
4. Ambrose JA, Barua RS (2004) The pathophysiology of cigarette smoking and cardiovascular disease: an update. J Am Coll Cardiol 43:1731-1737 
5. Jonas MA, Oates JA, Ockene JK, Hennekens CH. Statement on smoking and cardiovascular disease for health care professionnals: American Heart Association. Circulation 1992 ;86 :1664-9
6. Milett C, LM Wen, C Rissel, A Smith, J Richters, A Grulich, R de Visser, Smoking and erectile dysfunction: findings from a representative sample of Australian men. Tobacco Control, BMJ 2005  
7. Christopher B Harte, BA, and Cindy M. Meston, PhD, Acute Effects of Nicotine on Physiological and subjective sexual arousal in nonsmoking men: a randomized, double-blind, placebo-controlled trial. J Sex Med 2008;5:110-121 
8. J Y Jeremy, D P Mikhailidis : Cigarette smoking and erectile dysfunction. J Roy Soc Health, 1998
9. Stillman RJ, Rosenberg MJ, Sachs BP, Smoking and reproduction. Fertil Steril. 1986
10. John G. Spangler, MD, MPH, Smoking and hormone-related disorders. Tobacco use and cessation 1999  11. Cherpes TL, Meyn LA, Krohn MA, Hillier SL, Risk factors for infection with herpes smplex virus type 2 : role of smoking, douching, uncircumcised males, and vaginal flora. Sex Transm Dis. 2003

 

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